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Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Land der Bolschewiken
(Neobycajnye prikljucenija mistera Vesta v strane bol'ševikov)


Regie: Lew Kuleschow

Drehbuch: N. Aseev

Kamera: A. Levickij

Darsteller: Porfirij Podobed, Vsevolod Pudovkin, Aleksandra Chochlova, B. Barnet

1924, s/w
Länge: ca. 85 min.

Mr. West, ein netter und harmloser Yankee, reist in das Land der junge Russland: ein unbekanntes Territorium voll böser Überraschungen und wilder Kerle, die sich als Bolschewiken ausgeben. Der amerikanische Geschäftsmann West ist entsetzt: Er wird in Moskau beraubt. Da bietet ihm ein geheimnisvoller Herr Schban seine Hilfe an...

Im realen, verschneiten Moskau sieht man die Akteure einander auf Motorrädern, in Autos und Pferdeschlitten verfolgen, Straßen auf Telefonleitungen überqueren und Gliedmaßen wie Rufzeichen in die Höhe werfen. Ein ungewöhnlicher Kinospass: junge russische Filmemacher persiflieren schon um 1924 die Hollywood- Westernfilmklischees !

DIE SELTSAMEN ABENTEUER DES MR. WEST ist nämlich ganz im Stil eines amerikanischen Detektivfilms gehalten, ironisiert aber gleichzeitig westliche Vorurteile über die Zustände in der Sowjetunion. Die Fabel des Films ist entsprechend grotesk: Der amerikanische Senator West begibt sich in die Sowjetunion, in der Erwartung, dort - wie es illustriert Lehrbücher verheißen - fellgekleidete Wilde vorzufinden; zu seinem Schutz hat ereinen Cowboy mit Lasso mitgenommen. In Moskau fällt Senator West einer Bande von Gangstern in die Hände, die dem naiven Amerikaner weismachen, sie würden ihn beschützen, um so Geld aus ihn zu ziehen; doch rechtzeitig erscheinen die wirklichen Bolschewisten und entlarven die Gangster.

Die Darsteller des Film, unter ihnen Pudowkin, befleißigten sich einer ekstatischen Mimik und Gestik, die ausgezeichnet zu dem parodistischen Stil des Films paßte. Kuleschow ging es um den Beweis, daß spezifisch trainierte Filmdarsteller besser seien als „psychologisch- theatralische Filmstars". Tatsächlich begründete dieser Film einen neuen, dem Expressionismus verwandten Darstellerstil, der im Sinne Meyerholds die zeichenhafte Veräußerlichung innerer Zustände anstrebte.