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Musik

Neue Musik für Flügel und Cembalo: Wilfried Kaets

Die Musik ist in Reminiszens an die großen Stummfilmmusiken der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts angelegt. Als für die Zeit typische Mischung aus Kompilation (also der Verwendung bereits existierender Musikstücke) und Komposition. Die Musik soll sol klingen, wie es 1921 in einem Kino mit dem typischen Kinomusiker an Flügel oder Kinoorgel hätte sein können und und dadurch dem Zuschauer ein besonderes Zeit- und Emotionskolorit präsentieren.

 

Die kompilierten Abschnitte der Musik verwenden vor allem Musik der damals am häufigsten genutzten bürgerlichen romantischen Komponisten wie Mendelssohn-Bartholdy, Schumann und Tschaikowski, aber auch - vor allem für die "spannenden" oder temporeichen Abschnitte - Kompositionen aus den damals berühmten Filmmusiksammlungen, z.B. den "Motion Picture Moods for Pianists and Organists", die Ernö Rappé 1924 herausgegeben hat.
Darin finden sich konkret für den praktischen Kinoeinsatz geordnet nach Schlagworten, Hunderte von Stücken zu Themen wie "Ungeduld", "Horror", "Liebeswerben", "Autorennen", "indianische Kriegstänze", "Gruselstimmung" uvam. . Zum Teil als Auszüge von Werken bekannter Komponisten (z.B. Weber "Freischütz", Wagner "Holländer", Schumann "Kinderszenen", Mendelssohn "Lieder ohne Worte"), zum anderen aber auch speziell von Kinokomponisten wie Huppertz ("Die Nibelungen" von Fritz Lang) oder Kempinski (berühmt geworden durch seine Musik für Stroheims "Greed") sozusagen "auf Mass" angefertigte kurze Stücke.

Daneben gibt es einen Teil festgelegter bzw. als augenblicksbezogen einsatzbare Module gestalteter Neukompositionen, die zum einen die Übergänge zwischen den kompilierten Teilen verknüpfen, zum anderen aber auch bestimmten Szenen ihre besondere musikdramaturgische Stimmung geben sollen.

 

Für die Musik zu Murnaus "Nosferatu" habe ich mit Flügel und Cembalo zwei Instrumente ausgewählt, die obwohl sehr verschieden im Klang, doch schon von ihrer Genese her, einander wiederum eng verbunden sind.
Der bürgerlichen (Klang-)Welt des Hutter und seiner Frau im heimatlichen Wismar mit überwiegend harmonisch-romantischer Klaviermusik steht die obskure Welt des Vampires im Cembaloklang gegenüber, die, als sie in die "reale Welt" einbricht, in eigenwilligen klanglichen Symbiosen und Überlagerungen zum Klavier tritt.

Lassen Sie sich überraschen!