La Passion de Jeanne d´Arc

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Kurz und knapp

Das Drehbuch, das den historischen Prozess von Rouen 1432 um die heilige Johanna aktengetreu rekapituliert, komprimiert 18 Gerichtstermine auf einen einzigen Tag des Verhörs, der Verurteilung und des Feuertodes.

Das Programm lief bislang erfolgreich insgesamt 29 mal in Kirchen in ganz Deutschland (Dresden, Leipzig, Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Karlsruhe, Hagen…),Österreich (Wien, Linz),Luxemburg sowie in Kinos, Filmmuseen und in der Kölner Philharmonie.

Inhalt

Die letzten Tage der Jeanne d´Arc: Verhör-Verurteilung und ihr Tod auf dem Scheiterhaufen. Es handelt sich allerdings – wenn man schon eine kurze prägnante Beschreibung sucht – weniger um eine epische Erzählung (schon gar nicht um Actionkino), sondern eher um „radikales Montagekino“ der späten Stummfilmzeit.

Das Thema der Passion an sich steht im Mittelpunkt der filmischen Aussage – Verweise auf die Leidensgeschichte Christi sind unübersehbar.

„La Passion de Jeanne d’Arc“ aus dem Jahr 1928 ist ein überragendes Dokument einer Zeit, da der Film noch als Kunst bewegter Bilder im eigentlichsten Sinn galt. Sie genügen auch hier, um den aussichtslosen Kampf eines einfachen Bauernmädchens gegen die Phalanx indoktrinierter Priester zu erschütternder Wirkung zu bringen.

Er spiegelt sich auf dem ausdrucksstark-schlichten Antlitz von Maria Renée Falconetti ebenso wider wie auf den Gesichtern ihrer Richter mit ihren brillant voneinander differenzierten Physiognomien, ihrer übersteigerten, nie überzogenen Mimik; das alles dringt eineinviertel Stunden lang in unbarmherzigen Großaufnahmen ins Gemüt des Zusehers ein.

Musik

Neue Musik für Orgel und Gesang, die mittelalterliche Themen und zeitgenössische Klänge kombiniert.

Für die Kölner Philharmonie sowie die Murnau-Stiftung habe ich eine Fassung für Orgel, Chor und Solist entwickelt, die bislang vier Mal aufgeführt wurde.

Zur Konzeption der Filmmusik:

Der Tonfilm verfügt über Sprache, Musik und Geräusche. Bei einem Stummfilm hingegen muss die Musik versuchen, neben ihren dramaturgischen Aufgaben auch die der fehlenden akustischen Komponenten zu übernehmen.
Im Tonfilm werden längere Pausen der Musik von anderen akustischen Ereignissen gefüllt. Beim Stummfilm aber erzeugt die musikalische Unterbrechung (so sie nicht konzeptionell gezielt eingesetzt ist) ein akustisches Loch: Die Atmosphäre wird zerissen, ein unangenehmes Gefühl der Ernüchterung stellt sich ein. Das Dilemma des Komponisten einer gut 80minütigen Stummfilmmusik ist offenkundig.

So habe ich mich entschlossen, den „Blickwinkel“ der Musik zu variieren, nicht nur dramaturgisch zusammenhängende Sequenzen zu gliedern, nicht einfach die Handlung zu parapharasieren, sondern oftmals kontrapunktisch zu den offensichtlichen Bildinhalten Töne zu setzen, eine eigene „akustische Sinnschicht“ zu schaffen.
So wird etwa die Sequenz des Feuertodes von Jeanne – als eine Art innere Verbrennung – musikalisch sehr ruhig und mit der Zuversicht der Erlösungsgewissheit eher innig verhalten gestaltet, klanglich dargestellt durch die Verwendung des Choralthemas „In Paradisum“ („Die Engel mögen dich geleiten zum Paradiese…“) , während sich die Musik beim anschließendem Volksaufstand – eine Art äußere Verbrennung – aggressiv steigert.

Dreyers Film ist nicht gefällig oder leicht konsumierbar gearbeitet: hier wird ein bestimmten Gruppen unangenehmer Mensch, der dazu noch wehrlos ist – ein einfaches Bauernmädchen gegenüber dialektisch geschulten feindseligen Klerikern – systematisch zerstört (die Parallelen zur Passion Christi sind im übrigen unübersehbar).
Die Musik kann daher genauso wenig „angenehm“ klingen: sie ist Ausdruck menschlichen Leidens, weist den Weg in die Passion. Dabei ist Jeannes Tod gleichzeitig der Sieg des Geistes über die Materie: Schlichtheit siegt über Aggression, Einfachheit über komplexe Motorik, harmonische Entspannung über Ballungen aller zur Verfügung stehenden Klangparameter.

Die Besonderheit der Musik liegt in der Kombination von authentischen und/oder verfremdeten Zitaten gregorianischer Choralmelodien, die alle mit Bedacht gewählt sind. Dabei geht die Verarbeitung der präexistenten Melodien grundsätzlich darüber hinaus, dem Film eine „liturgische Musik“ oder gar ein „weihevolles Gewand“ anzupassen; sie wirkt vielmehr als Folie, die für den Hörer in mehreren Schichten „gelesen“ werden kann.

Die meisten Zitate werden ohne ihre ursprüngliche Textierung sowie rhythmisch verfremdet mit der Orgelmusik verwoben. Dabei kann die Musik in einer ersten Schicht als laut oder leise, dunkel oder hell, angenehm oder bedrohlich empfunden werden und hat damit bereits die intendierte Wirkung erzielt!

Auf weiteren in die Tiefe weisenden Ebenen könnte das Zitat entschlüsselt werden und eine Verbindung könnte beispielsweise lauten: düsterer Klang — bedrohliche Athmosphäre – Zitat „Dies irae“ aus der Totenliturgie – Sequenz des Requiems mit der Vergeltungs- und Rachethematik – Schreckensvision – spezielle Textzitatstelle „wirst die Welt durch Brand zerstören…“.
Dreyers vollkommen naturalistische Montagetechnik erzeugt eine geradezu spirituelle Bildwelt, die erst auf einer höheren Ebene zu einem sinnvollen Gefüge sich zusammenfügt. Der Film selbst verweist in seiner erzählerischen Struktur auf eine behauptete Transzendenz hinter dem Schicksal der Heiligen.

Die Musik trägt dem Rechnung, indem sie das Ende traditioneller Harmonik kennt und zugleich in der Welt spätgotisch-liturgischer Musik zu Hause ist und somit sowohl den avantgardistischen Gehalt des Films als auch den protestantischen Gehalt des Schicksals einer Ketzerin ernst nimmt.

Regie

Carl Theodor Dreyer (* 3. Februar 1889 in Kopenhagen, Dänemark; † 20. März 1968 ebenda) war ein dänischer Filmregisseur.

Dreyer war Theaterkritiker, bevor er seine Laufbahn beim Film 1912 als Drehbuchautor begann. Er arbeitete für die dänische Filmproduktionsgesellschaft Nordisk, für die er 1919 seinen Regieerstling „Der Präsident“ drehte.

Nach dem Vorbild von David Wark Griffiths Intolerance entwarf Dreyer seinen Episodenfilm „Blätter aus dem Buche Satans“ (1921).
Zuvor drehte er in Schweden Die Pfarrerswitwe (1920).
Mit Beginn der 1920er Jahre ging Carl Theodor Dreyer nach Berlin, um dort für die UFA zu filmen. Es entstand unter anderem der Kammerspielfilm „Michael“ (1924).
Spätestens 1928 erwarb er sich mit seinem in Frankreich produzierten Stummfilm „Die Passion der Jungfrau von Orléans“ nach den Originalprozessakten des Inquisitionsprozesses gegen Jeanne d’Arc den Ruf eines der bedeutendsten Filmemacher.

Unter den zahlreichen Verfilmungen des Johanna-Stoffes ragt Dreyers (1889-1968) französische Produktion von 1928 wie ein Markstein hervor.

Der Regisseur verstand es, seine Darsteller, insbesondere Renée Falconetti als Johanna, zu größtmöglicher Natürlichkeit des Ausdrucks zu veranlassen und steigerte die Wirkung des Films durch beeindruckende Großaufnahmen, ungewöhnliche Kamerafahrten und Perspektiven.

Der Film besticht durch seine ausgefallenen und teilweise extremen Kameraperspektiven und viele ungewöhnliche Nahaufnahmen.
Dreyer brachte seine Hauptdarstellerin an den Rand der Erschöpfung, um die innere Qual der Jeanne d’Arc glaubhaft verbildlichen zu können.
Der Film gilt als einer der bedeutendsten französischen Filme der 1920er-Jahre, obgleich Dreyer ansonsten eher in der künstlerischen Tradition des skandinavischen Films stand.

Seinen ersten Tonfilm „Vampyr – Der Traum des Allan Grey“ drehte er 1932 wieder in Deutschland. Der Film gilt heute als Klassiker des Horrorfilms, obwohl er keine expliziten Gewaltszenen enthält. Beim zeitgenössischen Publikum war er, wie auch sein Vorgänger, ein Misserfolg. Dreyer ging zurück in sein Heimatland und erst 1943 erschien sein nächster Film „Tag der Rache“, in dem er Hexenglaube und -verfolgung am Beginn der Neuzeit mit visuell kraftvollen Bildern thematisierte.

Nach 1946 drehte Dreyer für die dänische Regierung einige Dokumentarfilme. Mit seinen letzten beiden Werken „Das Wort“ (1955) und „Gertrud“ (1964) nach einem Bühnenstück von Hjalmar Söderberg, schuf Dreyer erneut Filmkunst von bleibendem Wert. Mit der Fixierung auf das Wesentliche in seinem Film „Gertrud“, stieß Dreyer zur Zeit der Premiere 1964 noch auf Unverständnis – die besondere Modernität dieses Meisterwerks begriff man erst nach seinem Tod wirklich.

Carl Theodor Dreyer gilt heute als einer der wichtigsten Visionäre des Kinos und steht als einer der bedeutendsten europäischen Regisseure seiner Zeit neben Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau.

Filme von C. Th. Dreyer

Auswahl, die von Wilfried Kaets in der Vergangenheit mit Musik live als Konzert aufgeführt wurden:

  • 1919 Der Präsident (Præsidenten)
  • 1920 Die Pfarrerswitwe (Prästänkan)
  • 1921 Blätter aus dem Buche Satans (Blade af Satans bog)
  • 1922 Die Gezeichneten
  • 1922 Es war einmal (Der var engang)
  • 1924 Michael
  • 1925 Du sollst deine Frau ehren (Du skal ære din hustru)
  • 1926 Die Braut von Daalenhof (Glomdalsbruden)
  • 1928 Die Passion der Jungfrau von Orléans (La passion de Jeanne d’Arc)
Überblick
Darsteller
Neue Musik für Gesang und Orgel von Wilfried Kaets